Beispiel Physikalische Informationsverarbeitung

 

 
Gregory Bateson führt als ‚bekanntesten Fall' ‚rein physikalischen Lernens' (‚Hysterese') die sogenannten Chladni-Figuren an:
"Eine an einem einzigen Punkt getragene Metallplatte wird über und über mit feinem Pulver bestreut und dann irgendwo am Rand mit einem Geigenbogen gestrichen; die daraus resultierende Schwingung verteilt sich ungleich über die ganze Platte, so dass das Pulver die Teile der Platte, an denen die Amplitude am größten ist, verlässt und sich dort sammelt, wo die Amplitude am kleinsten ist. Die sich daraus ergebenden Muster sind nach Chladni benannt, einem deutschen Physiker des neunzehnten Jahrhunderts, der sie untersuchte. Je nach dem Ansatzpunkt des Bogens (entsprechend den vielfältigen Harmonien einer gespannten Saite, die von der Fingerkuppe des Musikers an unterschiedlichen Stellen niedergehalten wird) kann eine solche Platte viele Muster dieser Art hervorbringen. Einige dieser Muster sind leichter zu erzeugen als andere, und es heißt, die Platte "erinnere" sich daran, welche Schwingungsmuster man sie gestern machen ließ, so dass diese Muster heute leichter hervorgebracht werden können.
Ähnlich wird natürlich der Besitzer einer kostbaren Stradivari nicht irgendeinen Anfänger darauf spielen lassen, weil dieser Kreisch- und Quietschtöne erzeugen könnte, die das Instrument dann im Konzertsaal wiederholen wird.
Diese Frage der Hysterese[1] von Resonanzmustern ist durch neuere Forschungen von Karl H. Pribram sehr interessant geworden, wonach Gedächtnis, wenigstens zum Teil, durch so etwas wie eine Hologrammbildung im Gehirn geschaffen wird."[2]
 
 
Carleen Hutchins: Chladnische Klangfiguren aus dem Boden von Violinen, 1965
aus: Harry Robin. Die wissenschaftliche Illustration. Basel/Boston/Berlin Birkhäuser 1992, S. 137

[1] "Die Nichtrückkehr einer durch äußere Einwirkung veränderten Eigenschaft zu ihrem ursprünglichen Wert, wenn die Ursache der Änderung beseitigt ist." American Heritage Dictionary.

[2] G. Bateson/M. C. Bateson: Wenn Engel zögern. Unterwegs zu einer Epistemologie der Heiligen. Ffm. 1993. S. 71/72.