Beispiel Spiegelungen: organische Medien

 

 

Die Knochen des Menschen speichern eine Vielzahl von Informationen über Zeiträume von mehreren Tausend Jahren. Die DNS-Bestandteile geben beispielsweise Auskunft über das Geschlecht."Doch die Knochen liefern nicht nur Erbsubstanz. Sie sind nahezu ideale Speicher für viele Stoffe und Absonderlichkeiten. "Ob Frühjahrsmasern oder Sommerdiarrhoe - in den Knochen liegen viele Informationen verborgen, die ihrer Entdeckung harren", ist [der Göttinger Molekularbiologe] Bernd Herrmann überzeugt.In den Knochen eines dieser Menschen [aus einer germanischen Grabhöhle] fand Herrmann jetzt "Fellizinsäure". Die Substanz aus dem Wurmfarn hat halluzinogene Wirkung. Falls dieser Mensch beim Einmauern noch gelebt hat, läge es nahe, daß er den Wurmfarn gegessen hat. Es wäre der Nachweis eines 3000 Jahre alten Drogenkonsums.Auch für die 2000 Jahre alten Qumran-Rollen vom Toten Meer interessierten sich nicht nur traditionell die Theologen sondern neuerdings auch die Göttinger Molekularbiologen. Sie fertigen DNS-Analysen der Text-Schnipsel des Alten Testaments. Dabei wollen sie herausbekommen, ob die Rollen aus Schaf-, Ziegen- oder Antilopenhäuten hergestellt wurden; ob die Tiere aus lokalen Herden stammten, oder ob das Pergament als Importware auf dem Markt eingekauft worden war."


Uwe Schulte: Fundgrube Oberschenkelknochen'. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 123, 1.06.99, S. V2/11