| Reflexive Informationsverarbeitung | |
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| Aus der informationstheoretischen epistemologischen Sicht
lassen sich 3 Typen von Informationsverarbeitung auseinanderhalten: |
| fremdreferentielle Informationsverarbeitung (Transformation von Daten aus der Umwelt in die Umwelt) | |
| selbstreferentielle Informationsverarbeitung (Selbstwahrnehmung und -steuerung) | |
| reflexive Informationsverarbietung (Analyse und Synthese von fremd- und selbstreferentiellen Daten). |
| Reflexion wird nach diesem Konzept nicht als Spezialfall
der Selbstwahrnehmung, z. B. als mehrfache Anwendung selbstreferentieller
Informationsverarbeitung, sondern eben als eine Kombination aus Selbst-
und Umweltwahrnehmung verstanden. Funktion fremdreferentieller Informationsverarbeitung ist der Gewinn von Informationen über die Umwelt und deren Information über die Leistungen des Informationssystems. Selbstreferentielle Informationsverarbeitung ermöglicht dem System eine Information über seine eigene Funktionsweise und deren Gestaltung nach Soll-Werten (Kybernetik 1. Ordnung). Reflexion hat die Funktion die Identität des Systems in einer sich wandelnden Umwelt zu erhalten. Sie ermöglicht eine Veränderung der Reproduktionszyklen, vor allem durch die Neubestimmung der Soll-Werte (Kybernetik 2. Ordnung)[1] Reflexive Informationsverarbeitung ist die Grundlage aller autopoietischen Prozesse. Voraussetzung der Reflexion i.d.S. sind damit sowohl Informationen über die eigene Systemgeschichte als auch über die Veränderungen in der Umwelt. Der Vergleich dieser Informationen erfordert die Ausdifferenzierung eines speziellen Reflektors und führt zu einem neuen Typ von Information. (Bei Menschen nennt man ihn Selbstbewußtsein'.) |
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| Abb. 6: Reflexive Informationsverarbeitung und Vernetzung |
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| [1] Unter
der Kybernetik 1. Ordnung wird ziemlich übereinstimmend die Steuerungslehre
verstanden, die sich auf die Rückkopplungsmechanismen konzentriert,
die zum Stabilitätserhalt (Homöstase) von Systemen beitragen:
M. Maruyama hat diese gleichgewichtsorientierte Steuerungslehre als Kybernetik
1. Ordnung bezeichnet. (In: The second cybernetics: Deviation amplifying
mutual causal processes. American Scientist, 51, 1963, S. 164-179) Er fordert
darüber hinaus eine Kybernetik 2. Ordnung, die sich mit Rückkopplungsprozessen
befaßt, die Abweichungen verstärken und so dem System Anpassungsprozesse
an die Umwelt auf Kosten der bislang geltenden Strukturen und Programme
ermöglicht. Die konstruktivistische Schule (Heinz von Foerster und
von Glaserfeld) beschreibt den Unterschied zwischen der Kybernetik I und
II. Ordnung eher als Übergang von der Untersuchung des beobachteten
zum beobachteten System, m.a.W. die Selbstanwendung der Kybernetik auf die
Kybernetiker. Dies wäre in meinem Verständnis erst die selbstreferentielle
Dimension. Vgl. zur Theoriediskussion: Gilbert J. B. Probst: Selbst-Organisation. Ordnungsprozesse in sozialen Systemen aus ganzheitlicher Sicht. Berlin/Hamburg 1987, hier S. 18-45. |