|
Computertomogramme der linken Hirnhälfte zeigen, daß unterschiedliche
Zentren/Prozessoren bei den verschiedenen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsleistungen
des Menschen aktiviert werden.
Wenn wir also zugleich Hören, Sehen, Sprechen und Denken, dann werden
die Informationen teilweise zugleich, teilweise nacheinander in mehreren
Zentren verarbeitet bzw. gespeichert. Nur unter laborexperimentellen Bedingungen
lassen sich annähernd lineare und monoprozessorale Aktivitäten
erzeugen.
Ganz gleich, welche Modelle in der Wissenschaft gerade favorisiert werden,
jeder von uns entwickelt seine eigenen Vorstellungen, sein eigenes Selbstmodell
über die Vorgänge bei der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung
und Darstellung. Bei dem einen spielt die primäre Wahrnehmung die
größere Rolle, bei dem anderen die bewußtseinsmäßige
Analyse und Synthese, beim Dritten die affektive Bewertung, beim Vierten
zählt eher der nonverbale oder verbale Ausdruck. Je genauer die menschliche
Informationsverarbeitung betrachtet wird, um so mehr müssen wir davon
Abschied nehmen, daß dieser Prozeß bei allen Menschen gleichgeschaltet
ist. Wenn wir unsere Umwelt und unsere Mitmenschen differenzierter wahrnehmen
wollen, sollten wir selbst in dem gleichen Maße differenziertere
Bilder von uns entwickeln, mehr Sinnesorgane einsetzen, eben 'offener'
werden. In Anbetracht der Überkomplexität menschlicher Informationsverarbeitung
ist jedes psychologische Modell eine Vereinfachung, jedes Selbstbild eine
Selbstsimplifikation - aber eine unabweisbar notwendige!
|