| Wissenschaftsdisziplinen als geschlossene theoretische Systeme (Popper) | |
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aus: Karl Popper: Logik der Forschung, Tübingen 19735,
S. 41. |
| „Die naturwissenschaftlichen Theorien sind in ständiger
Umwandlung begriffen – nach unserer Auffassung keine zufällige
Erscheinung, sonder charakteristisch für die empirische Wissenschaft.
Im allgemeinen werden daher nur Teilgebiete der Wissenschaft und auch diese
meist nur vorübergehend die Form eines vollkommen geschlossenen Systems
annehmen. Dennoch läßt sich das jeweilige System in allen wichtigen
Zusammenhängen gewöhnlich gut übersehen; und jede strenge
Prüfung des Systems hat zur Vorraussetzung, daß dieses in dem
betreffenden Zeitpunkt so weit abgeschlossen ist, daß neue Vorraussetzungen
nicht ohne weiteres eingeführt werden dürfen; die Einführung
einer neuen Voraussetzung wäre als Abänderung, als Revision des
Systems zu werten. Darum wird immer eine streng systematische Form angestrebt, die Form einer Axiomatik – wie sie z.B. Hilbert in gewissen Zweigen der theoretischen Physik durchgeführt hat: Sämtliche Voraussetzungen werden in einer kleinen Anzahl von „Axiomen“ [oder „Postulaten“: wir implizieren natürlich keinen Wahrheitsanspruch mit diesen Ausdrücken] an die Spitze gestellt, derart, daß alle übrigen Sätze des theoretischen Systems aus ihnen durch rein logische bzw. mathematische Umformung abgeleitet werden können.“ |