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Interdisziplinäre Projekte vs. transdisziplinäre Netzwerke |
| ‘Interdisziplinarität’ ist in den 60er
Jahren im Wissenschaftsbetrieb zu einem Hoffnungsträger geworden. Mittlerweile
haben sich viele Erwartungen, die in die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen
Disziplinen gesetzt wurden, nicht erfüllt. Im gleichen Maße nahm
das Konzept der ‘Transdisziplinarität’ einen Aufschwung.
Einen Konsens über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden
Konzepte gibt es nicht. Häufig scheint der letztere Begriff nur gebraucht
zu werden, um sich vor den negativen Konnotationen des ersteren zu schützen.
Jenseits der programmatischen Erwartungen zeigt ein Blick in die Praxis,
dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit projektförmig und
problembezogen erfolgt. Interdisziplinarität setzt ein begrenztes
Problem voraus, zu dessen Lösung die beteiligten Disziplinen Beiträge
leisten. Dies kann ein Problem des Alltags oder von Professionen, Unternehmen
u.ä. sein. Jedenfalls ist der Katalysator nicht eine theoretische
Fragestellung (formuliert in der Theoriesprache) einer der beteiligten
Disziplinen. Von transdisziplinären Netzwerken spreche ich dann, wenn verschiedene
Disziplinen, auch Metadisziplinen ohne das Ziel zusammenarbeiten, eine
homogene Fragestellung zu verfolgen. Transdisziplinäre Netzwerke
sind nicht-homogen und werden zu Disziplinen in dem Maße, in dem
sie eine homogene Axiomatik ausbilden. |
| 1In ‘Die Wissenschaft der Gesellschaft’,
Frankfurt/M. 1990, S. 457ff. 2Man kann im Anschluss an diesen Vorschlag fragen, ob ‘die Kulturwissenschaften’ – oder ‘die Kulturwissenschaft’ ein solches transdisziplinäres Fach ist. Torsten Hinz (Probleme der Interdisziplinarität, in: Thomas Düllo/Chr. Berthold/J. Greis/P. Wiechens (Hg.): Einführung in die Kulturwissenschaft. Münster 1998, S. 126-134) rät davon ab. |