|
Eine allgemeine Kommunikationstheorie, die ihren
Objekten Selbstreferenz zugesteht, sind enge Grenzen gesetzt. Sie muss
respektieren, dass in Geschichte und Gegenwarte zahlreiche unterschiedliche
Kommunikationstypen gibt und dass gleichzeitig mehrere Kommunikationsmodelle
nebeneinander bestehen. Ihre Aufgabe besteht darin, Analyseperspektiven
und Kategorien für die Selbstexplorationen zur Verfügung zu
stellen - sich natürlich selbst an dieser Exploration zu beteiligen.
Nur durch Akte sozialer Selbstimplifikation, kollektiver Verdrängung,
der imperialen Durchsetzung von Machtansprüchen eines Kommunikationstyps
kommt es zur Prämierung bestimmter Arten von Kommunikationssystemen.
Medien und Begriffen.
Faktisch bleibt die Kultur multisystemisch. Die kommunikative Welt ist
kein Supersystem mit einer einheitlichen hierarchischen Vernetzung. Sie
ist überhaupt kein System im engeren Sinne sondern ein Raum mit vielen
Etagen, auf denen sich unüberschaubar viele Systeme/Knoten befinden,
die sich untereinander mal so, mal anders und mal gar nicht vernetzen.
Eine multidimensionale Ansammlung von Informationssystemen mit der Möglichkeit,
praktisch beliebiger Verkopplung - aber eben auch der Notwendigkeit selektiver
Verkopplung. Da wir dieses Netzwerk in kommunikationswissenschaftlicher
Einstellung nur aus der Innenperspektive erleben können, werden wir
niemals einen auch nur halbwegs vollständigen Überblick erlangen.
(Mehr Hinsichten ergeben sich, wenn wir uns auf die Standpunkte anderer
Disziplinen stellen.) Möglich ist nur eine Kartographie derjenigen
kommunikativen Systeme, dir für uns relevant sind, in die wir relativ
unmittelbar eingebunden sind. Dabei können wir wissen, dass diese
Karte aus anderen Perspektiven anders gezeichnet wird. Es gibt nicht den
in der terestrischen Geographie üblichen außenstehenden Standpunkt,
von der aus der Globus konstruiert wird - und selbst der braucht ja mehrere
Perspektiven, um zu einigermaßen längen-, breiten- und flächengetreuen
Modellen zu gelangen. Nur Polyzentrismus und Programmwechsel vermag die
Verzerrungen des klaren Standpunkts und einer einheitlichen Perspektive
zu korrigieren.
Konsequenzen für die Kommunikationswissenschaft
Wenn wir akzeptieren, dass unsere Gesellschaft aus vielen artverschiedenen
Kommunikationssystemen besteht, die sic ganz unterschiedliche Ziele setzen,
nach verschiedenen Programmen arbeiten und spezifische Selbsttheorien
entwickeln, dann macht es für die Kommunikationswissenschaft keinen
Sinn, nach einem einzigen, wahren Kommunikationsbegriff zu suchen.
Damit werden natürlich Leitideale der neuzeitlichen Wissenschaft
in Frage gestellt, die trotz aller Anerkennung der (physikalischen) Relativitätstheorie
die sozialwissenschaftliche Forschung und Theoriebildung prägen.
Ohne Sowohl-Als-Auch-Theorien wird sich, eine multimediale, multisensorielle
und pluralistische Informationsgesellschaft nicht beschreiben lassen.
Kommunikation 3D ist ein solches mehrdimensionales Modell, welches es
ermöglicht, verschiedene Perspektiven innerhalb der Kommunikativen
Welt einzunehmen.
|