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Das Prinzip der Konzeptökonomie |
| Zu den Grundprinzipien der Wissenschaft gehört jenes der Ökonomie:
Bringe deine Erkenntnis auf eine möglichst einfache Formel! Zu diesem
Prinzip gehört auch jenes der Konzeptökonomie: Führe keine
neuen Konzepte ein, wenn die vorhanden ausreichen oder gar einfacher sind
als Dein eigener Vorschlag! Wenn also Kommunikation als Spezialfall sozialen
Handelns verstanden wird, dann muss man keine zusätzliche Kommunikationstheorie
einführen. Es reicht der Rückgriff auf Handlungstheorien. Bestenfalls
könnte man von einer soziologischen Kommunikationstheorie sprechen.
Oder wenn man unter Kommunikation eine Form der Wahrnehmung versteht, dann
sollte man sein Modell auch als das bezeichnen was es ist, eine Wahrnehmungstheorie.
Wenn sie mit den üblichen Instrumentarien der Psychologie entwickelt
wurde, dann ist es eine psychologische Wahrnehmungstheorie. Insofern ist
die Sprachwissenschaft auch konsequent wenn sie Kommunikation als "Sprechen"
und dieses als eine Realisierung des Sprachsystems also der langue begreift.
Sie nutzt eine komplexe Sprachtheorie und keine Kommunikationstheorie. Das Ökonomieprinzip gilt natürlich auch für Makrokonzepte: Führe keine neue Wissenschaft ein, wenn deren Konzepte zu der Verdopplung oder auch nur zu einer einfachen Kombination der vorhandenen Konzepte führen würde! Wendet man dieses Prinzip konsequent an, bekommt die Kommunikationswissenschaft Legitimationsprobleme. Was sind die spezifischen Kommunikationstheorien, die sie unterscheiden von sprachwissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen oder psychologischen Kommunikationskonzepten? Schaut man sich bsp. die Beiträge an, die in dem schon erwähnten schönen Sammelband - "Die Wirklichkeit der Medien" in dem Kapitel 1 'Grundlagen der Medienkommunikation' zusammenfassen an, fällt auf, dass diese Grundlagen zum einen aus der Sicht der Psychologie (Peter Kruse und Michael Stadler) dann aus der Sicht der Soziologie (Peter Hejl), dann aus der Sicht der Kognitionswissenschaft, dann aus einer alltäglichen Perspektive, die bei den umgangssprachlichen Metaphern anknüpft (Klaus Krippendorf) und schließlich aus einer Position, die sich als kulturwissenschaftlich bezeichnet, deren theoretischen Rahmen dann im wesentlichen aus Maurice Halbwachs' "Theorie des sozialen (sic!) Gedächtnis" besteht. Hier wird dessen Axiom "Es gibt kein Gedächtnis, das nicht sozial ist" auseinandergefaltet. Eingeleitet wird diese Abteilung durch einen wissenschaftstheoretischen, rekonstruktivistischen Exkurs von S.J. Schmidt "Die Wirklichkeit des Beobachters". Kurzum, man kann feststellen, dass kein einziger der Beiträge zu den Grundlagen der Medienkommunikation von sich behauptet, diese Grundlagen in einem kommunikationswissenschaftliche Sinne zu entwickeln. |