Zusammenfassung

Die axiomatische Begründung von Disziplinen


Wissenschaftliche Disziplinen und Metadisziplinen unterscheiden sich von Projekten durch ihren institutionellen – im Sinne der Soziologie – Charakter. Dieser institutionelle Charakter äußert sich nicht nur in der sozialen Organisationsform sondern auch in der epistemologischen Dimension: Elementare Modellvorstellungen und Dimensionen des Objektbereichs werden als Axiome behandelt. Sie sind, wie andere institutionelle Normen auch, kontrafaktisch stabilisiert. So wie man an institutionellen Regeln auch im Enttäuschungsfall festhält, so werden auch die Axiome, die für Disziplinen identitätsstiftend sind, für eine gewisse Zeit der Kritik entzogen. Im Gegensatz zu speziellen theoretischen Aussagen, die an der Empirie jederzeit scheitern können, müssen die Axiome als gemeinsamer ‘Glaube’ der Wissenschaftlergemeinschaft eine verlässliche Basis für Handeln und Erleben geben.
Oder anders: Nur solange eine gewisser Grundbestand an Axiomen fraglos zur Vorraussetzung der Forschung genommen wird, geht eine Disziplin ihren ruhigeren Gang. Sobald die theoretischen Grundüberzeugungen als Hypothesen behandelt werden, die von jedermann jederzeit empirisch widerlegt werden können, wird aus der Disziplin ein Forschungsprojekt.

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