| Die Verkettung paralleler Prozesse |
| Die lineare Struktur wird sich bei der Untersuchung komplexer
Phänomene ebenfalls zumeist auflösen. Es gibt Parallelverarbeitung
von Informationen und Hierarchien zwischen den Informationssystemen und
Verarbeitungsprozessen und so entstehen mehr oder weniger komplexe Netze.
Um das Problemfeld zu veranschaulichen, wollen wir uns die Prozesse als Gleise vorstellen, die sich zu einem Eisenbahnnetz zusammenfügen. Im einfachsten Fall können die Gleise nebeneinander (parallel) herlaufen und sich über- oder unterqueren ohne sich zu berühren. Zwischen den Prozessen gibt es keine Interaktion. Wenn wir uns die jeweiligen Gleise in irgendeiner Form als einen geschlossenen Kreis vorstellen, dann kommen wir dem Modell eines isolierten rückgekoppelten Informationsprozesses am nächsten. Wir haben zirkuläre Prozesse, die untereinander ohne Kontakt bleiben: Eisenbahnen, die immer auf ihrem je eigenen Schienenkreis bleiben. Man kann die Komplexität dieser Systeme erhöhen, indem man Signale einbaut und damit die Geschwindigkeit und/oder Richtung der Prozesse beeinflusst. Aber die verschiedenen ovalen Systeme bleiben dabei getrennt, wie Menschen, die nicht miteinander kommunizieren. |
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| Die Verknüpfung paralleler linearer und zirkulärer Prozesse | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Von einem Netzwerk kann man wohl erst sprechen, wenn die Schienenstränge und kreise untereinander verknüpft sind. Das geschieht durch verschiedene Formen von Kreuzungen und Weichen: | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Hatten wir zuvor geschlossene Schienenkreise, so werden
jetzt Verknüpfungen zwischen den Systemen/Prozessen möglich. Die
Knoten: Kreuzungen und Weichen werden zu Entscheidungspunkten für den
Verkehrs- bzw. Informationsfluss. Sie regeln das Zusammenspiel von mehreren
parallelen bzw. zirkulären Prozessen. Wenn wir uns von dem Bild des Eisenbahnnetzes auf der Fläche lösen, dann werden auch vertikale Vernetzungen und damit der Übergang zu einem dreidimensionalen Netzwerk denkbar. Übertragen wir das Schienenmodell auf das informationstheoretische Flussdiagramm, so haben wir im einfachen Fall eine Verzweigung (Weiche) eines linearen Prozess. Es entstehen 2 parallele Prozesse. |
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| Die Konsequenz dieser Differenzierung ist, dass sich die ursprünglich triviale Maschine als komplex erweist. Sie kann auf ein und denselben Input verschiedene Reaktionen folgen lassen, je nach den internen Verarbeitungswegen. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Diese ‘weichenförmige Vernetzung’ lässt
sich vielfältig interpretieren. Wir können sie bspw. auf die menschliche
Wahrnehmung und Informationsverarbeitung anwenden. Dann würden ursprünglich
ganzheitliche (monomediale) Informationen in 2 Typen, z.B. kognitive und
emotionale, aufgespalten, die dann getrennt prozessiert und nach Außen
getragen werden. Wird die Weiche andersherum in den Informationsfluss eingebaut, so könnte man das als Digitalisierung von zwei verschiedenen Arten von Informationen, z.B. akustischen und visuellen, vorstellen. Soll eine Rückübersetzung möglich sein, müsste eine zweite Weiche vorgesehen werden. (Vgl. auch die Abb. 15 und 16 in Kap. 3 ‘Der Mensch als informationsverarbeitendes Ökosystem’) Auch der Informationskreislauf in der typographischen Buchkultur lässt sich in diesem Sinne als hintereinander geschaltete Weichen bzw. Harfen verstehen: Informationen, die der Autor mit allen seinen Sinnen gewonnen hat, werden von ihm in das eine Medium des Buches übersetzt. Im günstigen Fall kann der Leser des Buches diese visuellen Informationen wieder in die Ursprungsmedien übertragen, im Sprechen lautieren, die Handlungsanweisungen (taktil) ausführen, die Gegenstände wieder erkennen usf. Die Menschen (Autoren und Leser) erscheinen als Vernetzungspunkte, Weichen und/oder Kreuzungen, die den Informationsfluss differenzieren und/oder synthesieren. Die multimediale Informationsverarbeitung des Autoren erscheint als Trichter, der die zahlreichen Informationstypen bzw. Medien in einen Typ bzw. ein Medium transformiert. Im Knotenpunkt haben wir keine parallelen Prozesse sondern nur noch einen einzigen Prozess. Bei allen komplexen Informationsflussanalysen muss darauf geachtet werden, dass Prozessoren nur an Medien anschließen können, bzw. Medien nur durch Prozessoren miteinander verbunden sind. |
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