Fliesstext Evolution als Integration verschiedener Seinsstufen von Informationen

 

 

Evolution als Integration verschiedener Seinsstufen von Informationen
Obgleich die Verhaltensforschung in den letzten Jahrzehnten viele Erkenntnisse zutage förderte, die die seit biblischen Zeiten hervorgehobenen Unterschiede zwischen dem Menschen und vielen Tierarten, vor allen natürlich den Primaten, beständig verringert haben, bleibt dennoch unübersehbar, daß es der Mensch ist, der sich auf der Erde auf Kosten aller dieser Tierarten beständig ausgebreitet hat. Es muß daher einen evolutionären Vorteil geben, der es erlaubt, ihn von anderen Lebewesen, die ebenfalls über psychische Informationsverarbeitungszentren verfügen, abzugrenzen. Hierzu liegen verschiedene Vermutungen vor: die Seele, der Verstand, Selbsterkenntnis und Selbstbewußtsein; Werkzeuggebrauch, darunter vor allem der Gebrauch einer komplexen Sprache, gesellschaftliches Zusammenleben und Arbeiten usf..
Die Tatsache, daß sich kaum etwas einfacher elektronisch modellieren läßt als zweckrationale, sprachbasierte sogenannte ‚höhere' psychische Prozesse, hat den Glauben an die Sonderrolle des Verstandes allerdings weiter unterminiert. Komplexen Zeichen- und Werkzeuggebrauch finden wir bei vielen Tierarten.
Nachdem wir mehr über ‚staaten' bildende Insekten und die komplexen Formen des Sozialverhaltens in anderen animalischen Sozialgefügen (Paare, Familien, Horden) wissen, reicht auch der Hinweis auf die soziale Organisation menschlicher Interaktion und Kommunikation zu einer Erklärung des evolutionären Vorteils der menschlichen Gattung nicht mehr aus.
Ich denke, daß der Schlüssel zum Verständnis der Sonderrolle des Menschen und darüber hinaus überhaupt zum Verständnis der Evolution, in der Berücksichtigung des Zusammenwirkens der verschiedenen Medien- und Informationstypen, also in einer multimedialen Perspektive, liegt. Auch hoch differenzierte soziale und psychische Systeme sind nur eine monomediale Existenzform der Materie neben anderen.
Eine Typologie und evolutionäre Interpretation der verschiedenen Organisationsformen der Materie reicht für das Verständnis der Typik von Menschen, Tieren und Pflanzen jedoch nicht aus. Ich möchte die Aufmerksamkeit darauf richten, daß die Evolution der Informationsverarbeitung vor allem als eine Verknüpfung der verschiedenen Ebenen erfolgt. Ob die neuronalen Netze komplexere Steuerungsmechanismen als die DNS zur Verfügung stellen, ist eine schwer, vermutlich gar nicht zu entscheidende Frage. Sicher ist, daß alle mit einem Nervensystem ausgestatteten Lebewesen auch chemische Botenstoffe nutzen, die selbst wiederum physikalische Eigenschaften nutzen. Bei jeder Höherentwicklung bleiben also die vorherigen Emergenzniveaus erhalten und müssen mit den neu entwickelten Systemen verknüpft werden. I. d. S. ist die Menschheit multimedialer als andere Lebewesen angelegt. Sie verfügt über zahlreiche, vielleicht über alle jene Möglichkeiten der Informationsverarbeitung, die sich im Verlauf der Geschichte als besonders überlebensfähig erwiesen haben. Mit der Sprache hat sie sich im Laufe der Evolution ein Medium geschaffen, welches als Integrationsplattform für die verschiedenen Informationstypen dient. Die menschliche Sprache in ihrer aktuellen reflexiven und schriftfähigen Form ist selbst schon ein multimediales System und unterscheidet sich gerade hierdurch von den einfachen Medien.
Andererseits führt die Integration der verschiedenen Systeme zu einem (multimedialen) Gesamtsystem, das sich nicht nur als Addition der verschiedenen Basissysteme verstehen läßt. Es findet eine arbeitsteilige Spezialisierung statt, die den Informationen und Informationssystemen auf jedem Emergenzniveau vorher nicht vorhandene Bedeutungen bzw. Funktionen hinzufügt.
 
Man kann also zusammenfassen:

Im evolutionären Sinne komplexe Informationssysteme unterscheiden sich von einfacheren dadurch, daß sie beständig mehrere Typen von Informationen von unterschiedlichen Informationsverarbeitungssystemen parallel verarbeiten können.
Die Menschheit ist i. d. S. das komplexeste, am weitesten multimedial entwickelte Informationssystem.