Fliesstext Informationsverarbeitung im ontologischen Modell: Spiegelung

 

 

Jede der Entwicklungsstufen oder Emergenzniveaus von Materie besitzt seine eigenen Bewegungsformen, die wiederum das Verständnis von Informationsverarbeitung und Kommunikation bestimmen. Auf der Ebene der anorganischen Natur haben wir es mit der Wechselwirkung von Atomen und von zusammengesetzten Materieteilchen zu tun. Beim Zusammenprall der Teilchen verändern sich deren Strukturen und/oder Eigenschaften. Informationsverarbeitung oder -speicherung erscheint als Spur eines solchen Zusammenstoßes, als physikalische Deformation.
Man kann dann, um eine Formulierung von Gregory Bateson aufzunehmen, "mit mehr als zufälliger Wahrscheinlichkeit" aus der Art der Deformation auf das einwirkende Medium schließen. Oder anders: Medium1 spiegelt sich im Medium2.
 

Beispiel
 
Nur weil es solche Spiegelungsverhältnisse gibt, sind wir in de Lage aus der Kenntnis uns vorliegender Medien auf andere: aus denen sie hervorgegangen sind, mit denen sie in Kontakt waren, die sie hergestellt haben etc. zu schließen. Keine Form der Archäologie wäre ohne solche elementaren Spiegelungsverhältnisse denkbar. Je nach den Sinnesorganen, die wir bei der Wahrnehmung der Medien einsetzen und die natürlich den jeweiligen Seinsformen der Materie entsprechen, werden Spiegelungsphänomene anders benannt. Steht das akustische Medium im Vordergrund spricht man von Resonanz, geht es um Verhalten/kinästhetische Medien kann man von Pacing reden.
Nachdem die wesentlich am visuellen Erkenntnisparadigma orientierte und von materialistischen und marxistischen Philosophen im 19. Jahrhundert zu einer allgemeinen Erkenntnistheorie ausgebaute Widerspiegelungstheorie durch das politische Tagesgeschäft im real existierenden Sozialismus des Ostblocks in Verruf geraten ist, meiden Kommunikationstheoretiker in den letzten Jahrzehnten die Spiegelungsmetapher. Sie bevorzugen Bilder wie Resonanz oder Kopplung. Im Kern geht es immer um die gleiche Vorstellung. Die Strukturen eines Mediums werden durch den Kontakt mit einem anderen so verändert, daß sich in den ersteren Strukturen des zweiten wiederfinden lassen. Der Kontakt hat Redundanz erzeugt. Diese Wiederholung informativer Muster kann positiv (symmetrisch) oder negativ (komplementär, spiegelverkehrt) sein und alle Formen der Verzerrung, die zwischen diesen beiden Polen möglich sind, annehmen. Die In- oder Deformierungen unterscheiden sich auf den verschiedenen Emergenzniveaus / bei den verschiedenen Medientypen: mechanische, chemische, neuronale, psychische, soziale Spiegelungen.
 
Ein gutes und von mir ausführlich beschriebenes Beispiel für die Nutzung ‚spiegelverkehrter' Mustererzeugung ist die Drucktechnik. Vom Vormalen der Buchstaben bis hin zum ausgedruckten Buch, das der Leser in Händen hält, lassen sich 4 solcher negativer ‚Abdrücke' ausmachen.
 
Schema

Informationstheoretisch betrachtet gibt es keine Spiegelung zwischen Medien ohne einen Katalysator, der sie in Kontakt bringt und zwischen ihnen vermittelt. In der Abb. 2 wird dieser Katalysator durch die Bezeichnung ‚Abpausen', ‚Einschlagen, Eindrücken', ‚Ausgießen' und ‚Drucken' repräsentiert.
Medien sind, jedenfalls solange wir diese informations- und kommunikationstheoretisch analysieren, durch Prozessoren verknüpft. Man kann diese Modellierungsperspektive phasenweise zurückstellen. Aber letztlich unterscheidet sich das kommunikationswissenschaftliche Herangehen an die Phänomene von beliebigen einzelwissenschaftlichen gerade auch durch die Integration der 3 Modelle und die konsequente Unterscheidung zwischen Prozessor/Kommunikatoren einerseits und Medien andererseits.
 
Beispiel