Fliesstext Informationsverarbeitung
   
Informationsverarbeitung erscheint in der topologischen Dimension als Relationierungs-, Strukturbildungs-, Systematisierungs- und Vernetzungsprozeß.
Neue Informationen können dabei nicht nur durch den Aufbau (Konstruktion) sondern auch durch den Abbau (Dekonstruktion) entstehen.
Generell kann man sagen, dass in der Neuzeit die Wissenschaft den Strukturbildungsprozessen mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat als dem Strukturzerfall. (Vgl. das Modell ‚Geschichte') Noch weniger sind die Zusammenhänge zwischen Strukturbildung und Strukturzerfall beachtet worden, also die Tatsache, dass die Auflösung der einen Ordnung zur Ordnungen auf anderen Ebenen führt. Formal klar formuliert wurde diese Erkenntnis praktisch erst in Netzwerktheorien, die bei der Beschäftigung mit Elektronenrechnern und der neuronalen Informationsverarbeitung entstanden. Spätestens seit Konrad Zuse († 1996), dem Erbauer der ersten frei programmierbaren Rechenmaschine, ist klar, dass lineare Relationierung nur ein Spezialfall der Vernetzung ist. Er schlug deshalb vor, die Welt als einen ‚rechnenden Raum' zu begreifen, "in dem jedes Medium und jeder Prozessor Relaisfunktionen besitzt. Sie stellen Schaltkreise her, indem sie jeweils andere unterbrechen."
Dieses ökologische Verständnis von informativen Prozessen setzt vernetztes Denken voraus. Oder anders ausgedrückt: Bedeutungen, die durch Beziehungsabbruch und Strukturzerfall entstehen, lasen sich nicht im Rahmen der angepeilten Relationen, Strukturen oder Systeme erkennen. Ihre Analyse verlangt einen Wechsel der Standpunkte und Perspektiven sowie vor allem eben die Einsicht, dass zeitgleich alle Prozesse vielfältige, sich teilweise widersprechende Bedeutungen hervorbringen.