Fliesstext Das konstruktivistische Informationskonzept

 

 
Ein weiteres, ähnliches dreistelliges Informationskonzept geht auf Gregory Bateson und seine Definition von Information als einen ‚Unterschied, der einen Unterschied ausmacht', zurück. Das Medium allein ist für das Informationssystem uninteressant (vgl. Text 5, s. Anhang). Erst wenn es seine Strukturen aufgrund von inneren oder äußeren Einflußfaktoren ändert, oder wenn das Subjekt im Vergleich zwischen diesem Medium und einem anderen (gespeicherten) Medium Differenzen erkennt, dann wird diese Abweichung informativ für das Subjekt. Dieser Ansatz ist auch von dem Radikalen Konstruktivismus aufgenommen. Informative Informationen sind solche, die bei einem Wahrnehmenden ein Differenzerlebnis auslösen. Diese Veränderung kann dann entweder auf einem Verursacher, eben ein anderes Informationssystem zurückgeführt werden und gibt dann vermittelt über das Medium Auskunft/Nachricht/Mitteilung über diesen Verursacher. Oder das Differenzerleben entsteht durch einen Vergleich einer vergangenen Erfahrung eines Mediums mit der aktuellen Wahrnehmung.

Bei allen Varianten dreistelliger Informationskonzepte löst sich Information jedenfalls in Relationen auf. Den Forscher interessieren dann Zusammenhänge zwischen Beziehungen und nicht so sehr eine einzelne Beziehung und schon gar nicht die ontologischen Merkmale eines Mediums.
Prinzipiell spricht nichts dagegen auch mehr als zwei Beziehungen bzw. 3 Elemente zu berücksichtigen.[1] Information löst sich dann nicht nur in Relationen sondern letztlich in Netze auf. Die Informationstheorie wird auch zu einer Vernetzungstheorie. Spätestens unter dieser Perspektive lassen sich dann die Asymmetrie- und Linearitätsunterstellungen der traditionellen Subjekt-Objekt Erkenntnistheorie nicht mehr begründen. Informationsfluß und -verarbeitung ist in alle Richtungen möglich. Medien und Prozessoren tauschen beständig ihre Rolle. Sie besitzen, je nach dem Netzknoten, von dem aus die Verarbeitung verfolgt wird, zugleich mal die eine, mal die andere Funktion.
Informationsverarbeitung erscheint als mehrstufiger Relationierungsprozeß, der letztlich nur willkürlich abgebrochen werden kann.
 
Die verschiedenen epistemologischen Informationskonzepte stellt die nachfolgende Tabelle (Abb. 4) zusammen:

Epistemologische Informationskonzepte
 
Informationskonzepte Information als Informationsverarbeitung als
traditionelle zweistellige Subjekt-Objekt-Theorien
a) wahrnehmungstheoretisch Bedeutung für ein Subjekt / von einem Subjekt wahrgenommene Eigenschaft eines Objekts
I=r (S,O)
Wahrnehmung
b) handlungstheoretisch von einem Subjekt erzeugte Eigenschaft eines Objekts Darstellung
dreistellige Theorien
a) konstruktivistisch durch Vergleich verschiedener Medien erzeugtes Differenzerlebnis bei einem Beobachter (informative Information) Unterscheiden
Differenzerleben
b) nachrichtentechnisch Nachricht für einen Beobachter von/über etwas
I=r (IS1, M, IS2)
Relationieren
c) informationstheoretisch Transformationsprodukt eines Informationssystems
I=r (M1, IS, M2)
Transformation
mehrstellige Theorien
Die nachrichten- und informationstheoretischen Konzepte lassen sich beliebig um weitere Relationen ergänzen!
 
Beispiel: Zuse, Relais
 
Epistemologische Informationsbegriffe

  

[1] Höherstufige relationale Informationskonzepte werden in der Soziologie gerne als ‚Sinn' bezeichnet. Der Sinnbegriff gewinnt dabei einen ähnlich unhinterfragbaren Status eines Grundbegriffs wie der ontologische Informationsbegriff für die Naturwissenschaften.