Fliesstext Menschen als Informationsmedien in Netzwerken

 

 

Ein und derselbe Mensch kann für ein und denselben Beobachter zum gleichen Zeitpunkt am selben Ort zugleich viele Informationswerte besitzen: Er ist der freundliche Gegenüber in einer face-to-face Beziehung, Repräsentant einer Organisation oder Institution, Teil oder eben nicht Teil einer Bezugsgruppe, Vertreter einer Nation und Kultur, u.v.a.m. Jedes Verhalten kann in den verschiedenen Bezugssystemen unterschiedliche Bedeutungen entfalten. Es ist multivalent, nicht (nur), weil es unterschiedlich gedeutet werden kann - sondern es kann unterschiedlich gedeutet werden, weil der betreffende Mensch als Element in verschiedenen Strukturen, Systemen, Netzen emergiert. Es hat die Möglichkeit das gerade von ihm in seiner Selbstbeschreibung bevorzugte Emergenzniveau zu betonen, etwa indem er sagt: "Gut Sie jetzt anzutreffen, ich bin ihr neuer Vorgesetzter!" Er gibt damit seinem Verhalten eine feste strukturelle Bedeutung. Diese ist gänzlich unabhängig von den Wahrnehmungspräferenzen des Gegenüber. Dieser kann ihm weiterhin als guter Kumpel aus dem Tauchklub betrachten. Er ignoriert dann jedoch eine wichtige Klasse von Informationen, die vorhanden ist.
Wie seit den Forschungen zu den Ursachen von Schizophrenie bekannt, führt Kommunikation bei Partnern, die Bedeutungen auf unterschiedlichen strukturellen Ebenen zuschreiben, leicht zu Krisen. Oder anders ausgedrückt: Die Kopplung von Informationen, die unterschiedlichen Ebenen/logischen Typen angehören, ist problematisch. Um diese multivalenten, überkomplexen 'Rahmen' zu bezeichnen, wird der Begriff Netzwerk verwendet.
Die Einführung dieses Konzepts ist auch sinnvoll, weil es unser Verständnis der dynamischen Prozesse in der topologischen Dimension erweitert. Bislang sind hier nur Relationierungsprozesse im Sinne der Beziehungsherstellung und nicht des Beziehungsabbruchs in den Blick gekommen. Die Netzwerktheorie erlaubt hier diese Ausweitung der Analyseperspektiven.