Fliesstext Psychologisierung und Anthropozentrismus

 

 

Die verschiedenen Versionen der Subjekt/ Objekt Erkenntnistheorien unterscheiden sich nach den Phänomenen, die als subjekt- und die als objektfähig akzeptiert werden. Wer kann erkennen? Welche Erkenntnisobjekte sind tabu, sollen geheim bleiben?
Meist unbemerkt wird bei der Beantwortung dieser Frage die epistemologische Dimension in Richtung auf die ontologische verlassen: Man sucht nach festen, seinsmäßigen Kriterien (mindestens) für die Subjekte. Und vermutlich geht das auch gar nicht anders. Die verschiedenen erkenntnistheoretischen Schulen unterscheiden sich dann nach den Kriterien, nach denen sie Subjekte auswählen. In strikt selbstreferenziell aufgebauten (konstruktivistischen) Ansätzen wird die Entscheidung darüber, was wann als Informationssystem/ Subjekt/ Betrachter anerkannt werden kann den Beteiligten- und nicht außenstehenden Betrachtern überlassen. Als Mindestvoraussetzungen sind dabei aber wenigstens
 

Selektionsfähigkeit und
Fähigkeit der Selbstbeobachtung
 
zu nennen. Das sind natürliche harte Setzungen, die man nicht im Ärmel verstecken sollte.
Die verschiedenen Kulturen haben immrer wieder wechselnden Phänomenen die Eigenschaft zugesprochen "sensibel" zu sein- und damit viele andere als Erkenntnissubjekte ausgeschlossen. Auch gegenwärtig wird wieder darüber diskutiert, wer als Wahrnehmungssubjekt in Frage kommt: Computer, Pflanzen, Gene? In vielen Religionen wird Gott, das andere Geschlecht, die Seele, das Unendliche usf. als Objekt menschlicher Erkenntnis ausgeschlossen.
Die Neuzeit akzeptiert praktisch nur den Menschen als Erkenntnissubjekt und nimmt den psychischen Apparat, und hier vor allem die höheren Bewusstseinsschichten, als Erkenntnisinstanz.
Sie kann damit keinen Beitrag zur Entstehung von anderen Typen von Informationen und zur Klärung ihres Zusammenwirkens leisten.
Ein zweites Problem ist die Entscheidung, ob es überhaupt identische Objekte geben kann und wenn ja, wie dies von wem festgestellt werden kann.
Wenn die Medien tatsächlich viele Eigenschaften besitzen und die Subjekte womöglich auch, dann werden unterschiedliche Betrachter unterschiedliche Informationen gewinnen. Die Gegenstände besitzen für die unterschiedlichen Prozessoren unterschiedliche Informationen. Diese Erkenntnis wird im Alltag als "Subjektivität" der Wahrnehmung bezeichnet.