|
Unter der Annahme, dass Kulturen als Ökosysteme zu verstehen
sind, schwinden die Unterschiede zwischen Ökologie und Kulturwissenschaften.
Die Frage, ob es sinnvoll ist, zwischen ökologischen und kulturwissenschaftlichen
Theorien und Methoden zu unterscheiden, kann beim gegenwärtigen Stand
der Kulturwissenschaften des Menschen offen bleiben.
Ich verwende den Ausdruck 'ökologisch', wenn ich mich nicht auf eine Systemreferenz
festlegen will, und 'kulturwissenschaftlich', wenn ich diejenigen Ökosysteme
fokussieren will, die durch den Menschen katalysiert werden.
Die Bezeichnung 'ökologische Kultur' bzw. 'ökologische
Kommunikationskultur' ist streng genommen tautologisch. Sie lässt sich,
ebenso wie das Kunstwort 'Ökulog', nur strategisch rechtfertigen. Solange
der Kulturbegriff im allgemeinen Sprachgebrauch noch so deutlich an den
Menschen, seinen Geist und seine Kunst gebunden ist, mag der Zusatz ökologisch
auf die Notwendigkeit hinweisen, seinen Vernetzungen mit artverschiedenen
Lebewesen und der unbelebten Materie nachzustapfen. Gleichzeitig wird
durch die Nähe des Begriffs 'Ökologie' zu den Naturwissenschaften auf
die Notwendigkeit hingewiesen, neben geistes- und sozialwissenschaftlichen
auch naturwissenschaftliche Perspektiven und Methoden zu nutzen.
|