Fliesstext Koevolutionstheorien in Soziologie und NLP

 

 

Koevolutionsgedanken finden wir auch in soziologischen Schulen, z. B. im symbolischen Interaktionismus (George Herbert Mead). Hier werden soziale Interaktionsbeziehung zum Bezugssystem individuellen Lernens und sozialer Entwicklung. Die Ökologie reduziert ihr Untersuchungsinteresse jedoch nicht auf dyadische Interaktionsbeziehungen, sondern versteht Koevolution als Ergebnis von Vernetzungsprozessen mit vielen Mitspielern. Es ist wichtig darauf aufmerksam zu machen, dass die Koevolution nicht nur in Zweierbeziehungen, sondern in interaktiven Netzen stattfindet und diese als grundlegende Untersuchungszelle der Evolution gelten.(1) Der Umfang der Veränderung der Netze und Interaktionspartner kann stark variieren. Es gibt keineswegs immer symmetrische Veränderungsprozesse, vielmehr dominiert bei einem Partner mal die Anpassung und mal die Abgrenzung und Beeinflussung des anderen.

Konzepte wie das „Pacing-Leading“-Modell der Schule des neurolinguistischen Programmierens haben diesen Gedanken schon seit längerem (selektiv) aufgegriffen und für Kommunikationsmodelle und –trainings fruchtbar gemacht. Die Wechselseitigkeit der Anpassungs- und Veränderungsprozesse auf längere Sicht bleibt ein (therapeutisches) Ziel und Bedingung von ökologischen Systembildung: „In jeglicher gesunden Ökologie müssen sich beide Seiten einer Beziehung entwickeln können“, postuliert deshalb Peggy Pen als Vertreterin der systemischen Beratung, „daher sprechen wir auch von Koevolution, anstelle des linearen Begriffs der Evolution“.(2) Koevolutionstheorie ist also keine einfache Beziehungstheorie, sondern sie beschäftigt sich mit Wechselwirkungen und Spiegelungsverhältnissen.


(1) Vergl. Z. B. Greyory Bateson: Ökologie des Geistes, Frankfurt 1972, S. 155 ff.
(2) Zirkuläres Fragen: In: Gruppendynamik Heft 3, 1983, S. 189 – 220, hier S. 205