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Damit der Anschluss zwischen den beiden IS klappt, muss
der Effektor von IS 1 vom Sensor von IS 2 wahrnehmbar sein. Umgekehrt
gilt das Gleiche: der Effektor von IS 2 muss von IS 1 wahrnehmbar sein.
Auch die Prozessoren müssen ähnlich aufgebaut sein und funktionieren,
damit die Verarbeitungsprozesse wechselseitig erwartbar und damit steuerbar
sind. Es ist klar, dass solche Abstimmungsprozesse in der Phylo- und Ontogenese,
also der Stammes- und Individualgeschichte durch langwierige Interaktionsprozesse
erfolgen.
Der Gedanke einer Koevolution zwischen den Sinnen und
den Kommunikatoren überhaupt einerseits und den Medien andererseits durchzieht
schon die 1775 entstandene Schrift von J. G. Herder "Vom Erkennen
und Empfinden, den zwei Hauptkräften der menschlichen Seele". "Jeder
Sinn entziffert seine Welt und hat schon einen Weiser vor sich, die Art
der Entzifferung zu lernen", heißt es dort. In der menschlichen Gattung
und beim menschlichen Individuum entwickeln sich die Sinne in Abhängigkeit
von der relevanten Umwelt.
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Etwa zur gleichen Zeit äussert sich G. E. Lessing dahingehend,
dass sich die Sinne erst schrittweise nacheinander gebildet haben und
dass es nicht zur Ausbildung der sprichwörtlichen 5 Sinne gekommen wäre,
wenn dazu keine Notwendigkeit bestanden hätte ("Dass mehr als 5 Sinne
für den Menschen sein können"). Die Überlegenheit des Menschen gegenüber
anderen Kreaturen sah Herder gerade darin, dass er in diesem Anpassungsprozess
mehr Sinne als die Pflanzen und die Tiere ausgebildet hat. Dies wiederum
ermögliche ihm ein tieferes Verständnis nicht nur des Mitmenschen, sondern
eben auch von Tieren und Pflanzen.
Solche Gedanken sind von der Koevolutionstheorie, wie
sie etwa im Werk von Gregory Bateson und Humberto Maturana formuliert
werden, aufgegriffen worden. Der Grundgedanke ist, dass die Untersuchungszelle
der Evolution nicht das Individuum, sondern die Interaktion zwischen dem
Individuum und der Umwelt ist. Beide Pole der Interaktion müssen sich
ergänzen, sich "passender Weise" und im Gleichklang verändern.
Medium und informationsverarbeitende Systeme bilden erst zusammen die
Untersuchungszelle - so könnte man kommunikationstheoretisch formulieren.
Diese an sich nicht sonderlich aufregenden Gedanken müssten für die Kommunikationswissenschaft
die Konsequenz haben, die Geschichte der Speicher- und Verbreitungsmedien
grundsätzlich im Zusammenhang mit der Geschichte der Informationssysteme
zu betreiben, Medien- und Sinnenwandel als zwei Seiten eines Prozesses
zu begreifen (Die interessanteren Arbeiten tun dies auch).
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