| Kulturelle versus soziale Kommunikation | |
Die Konzepte sozialer Kommunikation und psychischer Informationsverarbeitung bewegen sich nur auf einer einzigen Ebene, auf einem Emergenzniveau in der kommunikativen Welt. Sie nehmen gleichsam einen monomedialen Ausschnitt vor. Solange wir Kommunikatoren nur als soziale Wesen (fait social, Idealtypen) oder als psychische Systeme auffassen, besteht keine Notwendigkeit von kultureller Kommunikation zu sprechen. Ein solches Konzept wird erst dann interessant, wenn wir unterschiedliche Typen von Kommunikatoren: Menschen, Pflanzen, Tieren, Technik, soziale Systeme, transzendentale Wesen und andere als Kommunikatoren und als Kommunikationsmedien in Betracht ziehen und die Zusammenhänge zwischen ihnen beschreiben wollen. Biologen nennen eine solche Erforschung des Zusammenwirkens artverschiedener Lebewesen ‚Synökologie’! In dem Maße, in dem sich unsere Gesellschaft multimedial organisiert und beschreiben will, gewinnt dieses ökologische Konzept von „Kultur“ an Attraktivität. Die Spezifik kultureller Informationsverarbeitung und Vernetzung ergibt
sich gerade daraus, dass unterschiedliche Typen von Informationssystemen/Kommunikatoren
mit unterschiedlichen Typen von Medien mal so, mal anders verbunden sind.
Sowohl in Computern herkömmlicher Bauart, als auch in den neuronalen
Netzen hat man es demgegenüber mit gleichartigen Elementen zu tun.
Die Komplexität unserer Kultur besteht nicht nur in einer Vielfalt
von Prozessoren in quantitativer Hinsicht (mehr vom Selben), sondern auch
in qualitativer Hinsicht: Biogene, psychische, soziale, physikalische
u. a. Medien und Systemtypen wirken zusammen. Um die strukturelle Komplexität, also die Typik kultureller Vernetzung zu erfassen, kann man sowohl auf Netzwerktheorien als auch auf eine andere Richtung der Ökologie zurückgreifen. Kultur lässt sich in dieser Hinsicht sowohl als ein Makrocomputer, wie Konrad Zuse sagte, ein Relaisrechner, als auch als Ökosystem betrachten, dass sich in einem flexiblen Gleichgewicht, in Koevolution mit der Umwelt befindet. Der ökologische Ansatz bietet zugleich ein gutes Gegengewicht zu den linearen Evolutionsmodellen, die die neuzeitliche Wissenschaft bevorzugt. Exkurs: Um diese kulturellen Netzwerke zu beschreiben, braucht man eine Typologie
der Informationssysteme und -medien, also die ontologische Dimension. |