| Die kommunikative Welt als inhomogenes, kulturelles Netzwerk | |
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Die Weltgesellschaft der gegenwärtigen Epoche
läßt sich kaum mehr mit einem Systemmodell beschreiben. Näher
kommt ihr die Vorstellung eines Netzwerks miteinander mal so und mal anders,
mal mit dem einen, mal mit anderen Medien verbundener unterschiedlicher
Typen von Kommunikations- und Informationssystemen. Als einer der ersten
hat diese Vorstellung Konrad Zuse, der Erbauer der ersten frei programmierbaren
Rechenmaschine, vorgeschlagen. Er betrachtete die Welt als einen 'Makrocomputer',
einen 'rechnenden Raum'. Jedes Medium und jeder Prozessor hat hier Relaisfunktion.
Er stellt Schaltkreise her, indem er jeweils andere unterbricht: "Relaisrechner
enthalten Relaisketten. Stößt man ein Relais an, so pflanzt
sich dieser Impuls durch die ganze Kette fort."[1]
Durch den Vergleich mit dem Computer wird der dynamische und flexible
Netzwerkcharakter der Weltgesellschaft anschaulich. Ähnlich wie bei
dem Vergleich mit den neuronalen Netzen wird deutlich, daß dieses
Netzwerk beständig zwischen Chaos und neuer Ordnung wechselt, keine
permanenten, starren Systeme zuläßt. Dies ist auch ein Grund,
warum die Systemtheorie allein keine ausreichende Modellierungsgrundlage
für die gegenwärtige gesellschaftliche Kommunikation abgibt. |
| Verknüpfung von Menschen (als psychischen Systemen), | |
| technische (elektronische) Vernetzung, | |
| soziale Vernetzung (von sozialen Idealtypen, Rollen, Schichten...) | |
| ökonomische , z. B. marktwirtschaftliche Vernetzung |
| zu simpel. Es geht hier, wie auch im Management von Betrieben, um die Verknüpfung der unterschiedlichen Systemtypen. Picot, Reichwald und Wigand heben genau diesen Gedanken in ihrem Buch über die Unternehmensgestaltung in der Informationsgesellschaft (Die grenzenlose Unternehmung. Information, Organisation und Management. Wiesbaden 1996) hervor, wenn sie dazu auffordern, die Betriebe als 'Informations- und Kommunikationssysteme' aufzufassen, die "personelle (Qualifikation, Motivation), organisatorische (Aufbau- und Ablauforganisation) und technische (Hardware, Software) Komponenten vereinigen. Die Kombination dieser Komponenten" - in meiner Terminologie also von psychischen, sozialen und technischen Systemen - "bestimmt die Struktur von Informations- und Kommunikationssystemen und beeinflußt ihre Effizienz im Hinblick auf die betriebliche Aufgabenerfüllung." (S. 166) Auch auf der Makroebene der Weltgesellschaft ist nach einer geeigneten Verknüpfung der unterschiedlichen Formen von Informationssystemen zu suchen, um so ein ökologisches Gleichgewicht herzustellen. Vor allem darf dabei, wie seit den Studien des Club of Rome immer wieder betont wurde, die biogene Perspektive nicht vernachlässigt werden: |
| 1. | Erhalt des Lebens auf der Erde und der Artenvielfalt, |
| 2. | Erhalt der Menschheit unter den Bedingungen raschen Bevölkerungswachstums. |
| Dabei ist die Erfüllung der ersten Bedingung zwar
eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für 2. Die verschiedenen politischen Modelle lassen sich u. a. danach unterscheiden, welche Subsysteme und welche Medien des Netzwerkes bevorzugt werden. Wenn man die Informationsgesellschaft durch den 'Datenhighway' charakterisiert, werden anderen Prioritäten gesetzt als wenn man marktwirtschaftliche soziale Vernetzungen, das Gespräch oder aber bioökologische Medien in den Vordergrund stellt. Natürlich handelt es sich in jedem Fall um Wertentscheidungen, die sich letztlich nicht wissenschaftlich begründen lassen. Kulturen als Netzwerk von |
| unterschiedlichen Typen von Informationssystemen (Prozessoren) (vs. starres, homogenes System) | |
| die mit | |
| unterschiedlichen Typen von Medien | |
| mal so mal anders (flexibel; Chaos- Ordnung- Chaos) | |
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verbunden sind.
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| Um die kulturellen Netzwerke zu beschreiben, braucht
man eine Typologie der Informationssysteme und Medien. Vorschläge dazu
habe ich im ersten und zweiten Kapitel gemacht. Mindestens ist es sinnvoll
anorganische, biochemische, neurophysiologische, psychische und soziale
Systeme und Medien sowie deren Technisierungen zu unterscheiden. Generell
stehen aber diese Typologien noch auf keinem festen Boden. Zumal bei den
Medien gibt es sehr viele Klassifikationsschemata, je nachdem welche Dimensionen
in den Vordergrund gestellt werden. (Im Prinzip wäre hier der Ort für
eine Diskussion der vielfältigen Medientheorien.) Hinzu kommt natürlich
noch, daß, je nachdem, ob wir vom Spiegelungskonzept, dem Informationsverarbeitungsmodell
oder dem Vernetzungsmodell ausgehen, unterschiedliche Typologien der Prozessoren
und Medien erforderlich werden. Wichtig scheint mir zu sein, daß in
diesen Typologien nur sehr einfache Formen als Grundkategorien aufgenommen
werden, um dann komplexere Formen als Integrationsprodukte oder eben Ökosysteme
zu verstehen. Diesen Gedanken sucht man in den meisten traditionellen Medientheorien
vergeblich. Dabei sind Mimik und Gestik, Sprache, Boten, Handschriften und
Telegraphie schon ganz komplexe Mediensysteme oder Netzwerke, die nur durch
das Zusammenwirken biochemischer, neurophysiologischer, mechanischer, sozialer,
psychischer und anderer Faktoren zu erklären sind. Sie zu einem Medium
zu erklären hat sich m. E. als Sackgasse erwiesen. Als Netzwerke artverschiedener Medien und Kommunikatoren, deren Dynamik durch Oszillation bestimmt ist, lassen sich nicht nur die Kulturen sondern auch deren Elemente und vor allem der Mensch selbst begreifen. Menschen und Gespräche sind selbst schon multimediale kommunikative und informationsverarbeitende Ökosysteme, die viele Arten von Medien und Prozessoren nutzen. |
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| [1] Der Computer - Mein Lebenswerk/ New York usw., 1993, S.93 |