Fliesstext Pflanze-Pflanze-Kommunikation

 

 
Kaum mehr bestritten wird gegenwärtig, daß Pflanzen untereinander, ähnlich wie Tiere auch, über chemische Botenstoffe in Kontakt treten können, ihr Verhalten 'pacen'. Werden etwa die Blätter eines Baumes durch Insektenbefall oder durch Tiere beschädigt, können viele Arten mit Hilfe von chemischen Signalstoffen die Bäume in ihrer Umgebung so beeinflussen, daß diese ähnliche Abwehrstoffe, wie sie selbst, produzieren. Sie verändern beispielsweise ihre Proteinzusammensetzung und schwächen damit die Schädlinge. Oder sie produzieren, wie etwa die Lupinen, Giftstoffe, um pflanzenfressende Tiere abzuhalten.
Das Spannende ist nun, daß auch dann, wenn Pflanzen in der Nachbarschaft nicht von Insekten befallen werden, ähnliche 'Widerstandsreaktionen' in Gang gesetzt werden. "Kommunikation bei Pflanzen macht auch Sinn, wenn wir über die Evolution nachdenken", sagt etwa David Rhoades., "Eine Pflanze, die das Signal verstehen kann, daß sie bald angegriffen wird, hat einen selektiven Vorteil. Sie kann sich verteidigen. Natürlich ändert sich damit auch unser Bild von Pflanzen. Und zwar in die Richtung, daß Pflanzen intelligenter sind, als wir bislang angenommen haben." (68/69) Wenn man unter 'Intelligenz' die psychische Informationsverarbeitungskompetenz der Menschen versteht, dann drängt sich mir dieses Bild keineswegs auf. Es ist wieder diese sinnlose Form des Psychologisierens der Natur.
Weit schwieriger als das Phänomen selbst, ist bislang die Klärung der Botenstoffe. Über welches Medium treten die Pflanzen miteinander in Kontakt? Da wird es vermutlich verschiedene Wege geben, über Äthylen oder Methyl - Jasmonat, durch die Luft oder durch andere chemische Stoffe von Wurzel zu Wurzel durch den Boden.[1] Häufiger erforscht ist die Pflanze-Tier-Kommunikation. Blumen können durch Duftstoffe, also chemische Signale, Bienen anlocken oder sie produzieren Stoffe, die für bestimmte Tierarten die Signalwirkung 'Wegbleiben!' besitzen. Wenn die angelockten Bienen den Ausstoß der Duftstoffe abstellen, hat sich faktisch ein Regelungskreis geschlossen. Es hat rückgekoppelte Informationsverarbeitung stattgefunden.

Da Kommunikation immer ein Ablauf in der Zeit ist, müssen die Kommunikatoren über irgendeine Form eines Gedächtnisses verfügen, um Rückkopplungen zu ermöglichen.


[1] Vgl. Science News, Vol. 138. Plants Bite Back, Dez. 1990 oder Wouter van Hoven: Mortalities in Kudu populations related to chemical defence in trees, in: Journal of African Zoology, 105, S. 141-145.