| Physikalische Information | |
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| Der ontologische Informationsbegriff deckt
sich nicht mit jenem von Gregory Bateson. Er definiert Information bekanntlich
als einen Unterschied, der Unterschied ausmacht.' Und er insistiert
darauf, dass er nur diesen einen Begriff braucht. Natürlich ist Batesons Ansatz relational. Information wird zu einer Relation erklärt und zwar letztlich zu einer Beziehung zwischen logischen Typen. Dieser Gedanke wird spätestens in dem Essay Form, Substanz und Differenz' (In: Ökologie des Geistes S. 576-597) entwickelt. Die beiden logischen Typen, die er dort in Beziehung setzt, sind Karte' und Territorium'. Zwischen dieser Unterscheidung und jener des Psychologen C. G. Jung zwischen Pleroma' und Creatur' sieht Bateson große Ähnlichkeit: "Jungs Buch insistierte auf dem Gegensatz zwischen Pleroma, dem nur von Kräften und Stößen regierten grob physischen Bereich, und Creatur, deren Wesen Unterschiedenheit ist. Es wurde völlig deutlich, dass die beiden Begriffspaare sich decken und dass es im Pleroma keine Karten geben kann, sondern nur im Reich der Creatur. Als ich diese Erkenntnis des Unterschieds mit dem klaren Verständnis zusammenbrachte, dass die Creatur in kreisförmigen Kausalketten wie denen, die von der Kybernetik beschrieben worden waren, und in mannigfachen Ebenen logischer Typisierung organisiert ist, besaß ich eine Reihe von Idee, die es mir in ihrem Zusammenwirken erlaubten, geistige Prozesse systematisch als von einfachen physikalischen oder mechanistischen Abfolgen unterschieden zu begreifen, ohne mir darunter zwei getrennte "Substanzen" vorzustellen."[1] Das Bestreben war hier ausdrücklich, Information nicht als Substanz' sondern eben als Beziehung zu beschreiben. Wenn man dies tut und dann Informationsverarbeitung, oder wie Bateson vorzieht zu sagen: geistige Prozesse', als einen Vorgang des In-Beziehung-Setzens von logischen Ebenen versteht, dann kann es in der anorganischen Welt allein keine Information geben: "Die Welt der nicht lebendigen Materie, das Pleroma, das von den Gesetzen der Physik und Chemie beschrieben wird, enthält selbst keine Beschreibung. Ein Stein reagiert nicht auf Information und benutzt in seiner inneren Organisation keine Anweisungen, Informationen oder Trial-and-error-Methoden. Um verhaltensmäßig zu reagieren, müsste der Stein in ihm enthaltene Energie benutzen, wie es Organismen tun. Er würde aufhören, ein Stein zu sein. Der Stein wird von "Kräften" und "Stößen" beeinflusst, aber nicht von Unterschieden. Ich kann den Stein beschreiben, aber er kann nichts beschreiben. Ich kann den Stein als Signal benutzen - vielleicht als Markierungspunkt. Aber er ist nicht der Markierungspunkt. Ich kann dem Stein einen Namen geben, ich kann ihn von anderen Steinen unterscheiden. Aber er ist nicht sein Name, und er kann nicht unterscheiden. Er benutzt und enthält keine Information. "Er" ist nicht einmal ein Etwas bzw. nur insofern, als ich ihn von der übrigen unbelebten Materie unterscheide." Plausibel werden diese Behauptungen auch durch die Wiederholungen nicht. Es ist nicht einzusehen, warum nur der eine logische Typ, die creatur', und nicht auch der andere, das pleroma' (physikalische Materie), zwischen sich und dem anderen Pol der Beziehung unterscheiden kann. Es sei denn, man schreibt der Kreatur eine besondere Substanz', eine ontologische Fähigkeit zu, eben jene, unterscheiden zu können und stellt diese Fähigkeit bei der physikalischen Materie in Abrede. Tut man dies, so benutzt man aber nicht mehr das strukturalistische Erkenntnismodell (Unterscheiden) sondern das ontologische. Man differenziert aufgrund von Merkmalen die den Relata wesensmäßig zugeschrieben werden. So nötigt denn der relationale strukturalistische Ansatz selbst dazu, ein weiteres, ontologisches Erkenntnis- und Informationskonzept zu nutzen. Da G. Bateson dies bis in seine letzten Lebensmonate hinein, in denen er mit seiner Tochter zusammen an dem Buch Wo Engel zögern' arbeitete, nicht akzeptieren mochte, bleiben ihm manche Axiome, nach denen er selbst klassifiziert verborgen. Er vergeudet viel Kraft im Kampf gegen die Ontologen. Dabei geht es nur darum, Abschied von der Hierarchie zu nehmen und mehr als eine Beschreibung zuzulassen. Faktisch kommt Bateson nicht umhin, auch in der physikalischen Welt, Vorgänge der Informationsspeicherung und -veränderung festzustellen. Ausführlich habe ich seine Interpretation der Chladni-Figuren zitiert, also der Speicherung von Schwingungen in Eisenspäne. |
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M. E. geht es nicht um einen "Änderung" der
Definition von Information' und Informationsverarbeitung'
Der relationale Informationsbegriff macht für viele Zwecke Sinn.
Vielmehr führen auch die Überlegungen Batesons zu dem Schluss,
dass ein einzelnes Modell unzureichend ist und also nach weiteren Ausschau
zu halten ist. |
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[1]
G. Bateson/M. C. Bateson: Wo Engel zögern. Unterwegs zu einer Epistemologie
des Heiligen. Ffm 1993, S. 29 |