Fliesstext Kulturen als Spiegelkabinett artverschiedener Medien: Medienökologie
   
Kulturen emergieren auf unterschiedlichen Ebenen! Man braucht keine Kulturtheorie, wenn man sich nur auf einem Emergenzniveau bewegt, nur homogene Medien/Objekte untersuchen will. Wer etwa Kultur als Zusammenspiel von Wissensbeständen oder als technisches Arsenal beschreiben will, betreibt Geistes- oder Technikgeschichte - keine Kulturgeschichte. Deren besondere Komplexität besteht darin, dass sie sich nicht auf einen Medientypus reduzieren lässt. Eben deshalb kann man Kulturen als Ökosystem artverschiedener Medien und Kommunikatoren auffassen.
Mindestens ist es sinnvoll, anorganische, biochemische, neurophysiologische, psychische und soziale Systeme und Medien sowie deren Technisierungen zu unterscheiden. Generell stehen aber diese Typologien noch auf keinem festen Boden. Zumal bei den Medien gibt es sehr viele Klassifikationsschemata, je nachdem welche Dimensionen in den Vordergrund gestellt werden (Im Prinzip wäre hier der Ort für eine Diskussion der vielfältigen Medientheorien). Hinzu kommt natürlich noch, dass, je nachdem ob wir vom Spiegelungskonzept, dem Informationsverarbeitungsmodell oder dem Vernetzungsmodell ausgehen, unterschiedliche Typologien der Prozessoren und Medien erforderlich werden. Wichtig scheint mir zu sein, dass in diesen Typologien nur sehr einfache Formen als Grundkategorien aufgenommen werden, um dann komplexere Formen als Integrationsprodukte oder eben Ökosysteme zu verstehen. Diesen Gedanken sucht man in den meisten traditionellen Medientheorien vergeblich. Dabei sind Mimik und Gestik, Sprache, Boten, Handschriften und Telegraphie schon ganz komplexe Mediensysteme oder Netzwerke, die nur durch das Zusammenwirken biochemischer, neurophysiologischer, mechanischer, sozialer, psychischer und anderer Faktoren zu erklären sind. Sie zu einem Medium zu erklären hat sich m. E. als Sackgasse erwiesen.
Das Mindeste, was an Komplexität bei informationstheoretischen Kulturanalysen zu fordern ist, dürfte die Berücksichtigung von Hard- und Software sein, also von Informationen, die in ganz unterschiedlichen, aber dennoch aufeinander bezogenen medialen Formen gespeichert sind. Natürlich lässt sich auch die kulturelle Software feiner differenzieren.
Ein gängiges Konzept hat hierzu Ed Schein vorgelegt.
Excerpt      Fliesstext