| Der Mensch sieht, was er zu sehen gelernt hat: Die mittelalterliche Ideologie | |
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Naturalistische und perspektivische Abbildungen kannte man im Mittelalter noch nicht. Die Menschen malten weniger das, was sie sahen, als das, was sie sich vorstellten (z.B. die Einhörner in den Bestiarien). Die mittelalterliche Malerei folgte keinen perspektivischen Grundsätzen, sondern ideologischen. So wurden beispielsweise wichtigere Personen oder Gegenstände größer dargestellt, wie auf dem nebenstehenden Gemälde zu sehen ist: Die Madonna ist etwa doppelt so groß wie die sie umgebenden Menschen. |
| Piero della Francesca: Misericordia Poliptych (Ausschnitt) | |
| Um zu einer perspektivischen Darstellung zu gelangen war es somit erforderlich, das bisherige Wissen (z.B. über ideologisch korrekte Wiedergabe) auszuschalten. Erst über diesen "Rückschritt" wurde es möglich, zu neuen Darstellungsformen zu finden. Die Technisierung des Darstellungsvorganges, z.B. indem eine Glasscheibe mit Raster zwischen den Maler und das Modell gesetzt wurde, machte es dem Künstler möglich, sich auf das nunmehr Wesentliche zu konzentrieren. |
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