Die Entwicklung anatomischer Darstellungen
   
Die Darstellung der inneren Organe stellte den mittelalterlichen Menschen vor große Schwierigkeiten. Das Sezieren von Menschen war sowohl in der christlichen als auch in der arabischen Welt verboten. Was die Lage der Organe anbetraf, so verfügten erfahrene Ärzte über durch Abtasten oder die Schmerzbeschreibungen der Patienten gewonnene Erkenntnisse, die jedoch zum Teil recht vage waren. Über das Aussehen der Organe dagegen wußte man wenig. Die Künstler hatten daher nur die Möglichkeit, entweder Erfahrungen aus dem Sezieren von Tieren zu übertragen oder es bei reiner Spekulation zu belassen.
Zum Bildbeispiel "Aderlassmann"
Bis zum 16. Jahrhundert behalf man sich bei der Darstellung innerer Organe meist mit dem Rückgriff auf Konventionen, die zum Teil schon auf arabischen Abbildungen beruhen. So wurde beispielsweise das Herz in der Herzform gezeichnet, wie sie noch heute in symbolischer Darstellung üblich ist, die Leber mit gezacktem Rand oder die Blase in Flaschenform.
Zum Bildbeispiel "Figura de situ viscerum"Zum Bildbeispiel "Margarita philosophica"
Um anatomische Abbildungen weniger abstoßend zu machen, wurden sie häufig in eine ansprechende Umgebung eingegliedert.
Zum Bildbeispiel von Ryff
Erst im 17. Jahrhundert tauchen die ersten anatomisch korrekten Darstellungen auf, die das Ergebnis von Sezierungen sind, so beispielsweise in der "Anatomia" von Johann Andreas Schenck von 1609.
Zum Bildbeispiel von Schenck
Heute dagegen finden wir recht genaue Darstellungen. Auch diese müssen zugunsten der Übersichtlichkeit bei der Darstellung der inneren Organe auf Schematisierungen zurückgreifen. Häufig werden mehrere Ansichten gewählt, oder es findet eine Beschränkung auf Organe mit einer bestimmten Funktion statt. Auch Schicht- oder dreidimensionale Darstellungen sind möglich.
zum Bildbeispiel für moderne anatomische DarstellungenZum Text "Die Entwicklung botanischer Darstellungen"