| Anthropozentrismus der Kultur- und Kommunikationstheorie | |
| Es sind für den Menschen keine Ökosysteme denkbar, in denen
er nicht selbst als Schaltelement, Spiegel, Medium oder Erkenntnis-/ Handlungssubjekt
auftaucht. So gesehen sind alle unsere Kulturbeschreibungen und alle unsere
Kommunikationstheorien anthropozentrisch. Der Anthropozentrismus wird in dem Maße zur Fessel, in dem das Menschenbild auf wenige oder gar nur eine Dimension reduziert wird. Dies geschieht, wenn es soziologisiert oder psychologisiert wird. Wir erhalten dann auch Kulturtheorien, die auf soziale bzw. psychische Phänomene reduziert werden. |
| Die Kritik am Anthropozentrismus, an Vernunft- und Technikgläubigkeit
leuchtet als Kritik an einem monomedialen Menschenbild ein. Der Mensch ist
aber selbst ein Ökosystem, welches sich auch aus vielen artverschiedenen
Elementen zusammensetzt, die auf unterschiedlichen Ebenen existieren. Er
ist aus anorganischen Stoffen aufgebaut; Muskeln, Skelett usw. funktionieren
nach mechanischen Prinzipien. Seine Verdauung und viele andere innere Abläufe
folgen chemischen Prinzipien. Er nutzt molekularbiologische Prozesse, wie
sie auch bei Pflanzen ablaufen. Er ist ganz Tier, könnte ohne unbedingte
Reflexe und seine Instinkte nicht einmal die ersten Stunden nach seiner
Geburt überleben. Er kennt das Gemeinschaftsverhalten von Tieren, Gruppenbildung,
Paarungsverhalten, Staatenbildung usw. Weil er in dieser Weise mikroskopisch
den Makrokosmos des globalen ökologischen Raumes spiegelt, kann er sich
mit weit mehr Elementen in Beziehung setzen, als dies eine sprach- und bewusstseinsfixierte
Sehweise des Menschen für möglich hält. Sein evolutionärer Vorteil besteht
darin, dass er aufgrund seiner Multimedialität als Schaltelement in mehr
ökologischen Kreisläufen fungieren kann als andere Lebewesen oder gar die
tote Natur. Weil er so zahlreiche Positionen einnehmen kann, wird er - wie die Disziplinen der modernen Naturwissenschaft eindrucksvoll belegen - auch viele Kulturbeschreibungen liefern. Das Problem liegt eher in der Integration der Vielfalt der anthropozentrischen Beschreibungen als in ihrer Einseitigkeit. |
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